Begleiten Sie uns zu einem kurzen Ausflug in die Geschichte

 

Hans-Reinhard Fricke

„tempore pestis aufgerichtet und selbige im flohr erhalten“ Zur Geschichte der Löwen-Apotheke in Duderstadt

 

Auf dem Höhepunkt der im März 1682 in Duderstadt ausgebrochenen Pest beschloss der Rat am 12. Oktober des gleichen Jahres „per maiora vota, daß dafern der grundgütige Gott durch seine Barmherzigkeit die leidige Seuche von hiesiger Stadt und dero Dorfschaften gnädiglich sollte abwenden, daß man zu Ehren des allmächtigen Gottes, der H. Rochi et Sebastiani vor hiesigem Obertor eine Capelle aufbauen wolle.“ Schon einige Zeit vor dieser Bitte um göttlichen Beistand, die angesichts des damaligen Wissens zur Pestbekämpfung sicherlich als besonders erfolgversprechend angesehen wurde, waren „weltliche“ Maßnahmen ergriffen worden, mit denen sich der Verlauf der Seuche allerdings zunächst nicht aufhalten ließ. So wurde im Juni verfügt, dass Infizierte in ihren Häusern zu pflegen und dort zu isolieren wären. Bereits am 6. April wurde beschlossen, eigens einen „Pestmedicum und Chirurgum“ einzustellen. Zeitgleich war festgelegt worden, „denen Apothekeren zu demandieren, keine Purganzen oder innerliche gefährliche Medicamenta ohne Vorwißen der Medicorum zu ertheilen“. Im Pestjahr 1682 wurde zudem eine zweite Ratsapotheke eingerichtet.

 

Während die Kapelle nie gebaut wurde und die zusätzlich bestallten Pestärzte über das Ende der Pestepidemie hinaus nicht weiter beschäftigt wurden, blieb die zweite Apotheke dauerhaft bestehen, so dass die Löwen-Apotheke in diesem Jahr ihr 333jähriges Bestehen feiern kann. In seiner am 2. Mai 1683 abgeschlossenen Chronik beschreibt der damaligen Bürgermeister Johann Barckefeldt die damalige Apothekensituation so: „Die Apotheken stehet zu E.E. Rats freier Disposition, ob man sie selbst mit Medicamenten versehen und einen salierten Apotheker halten oder dieselbe verpachten wolle. Von langen Jahren her ist sie jährlich vor 40 Taler verpachtet gewesen; nachgehents ist der Pachtzins auf 60 Taler gestiegen, endlich aber ist der Apothekenzins auf 100 Taler gesteigert, deren Herr Hans Jacob Keysenberg, weil er auf der freien Ratsapotheken wohnet und den Branntweinsbrau und –Verkauf zugleich hat neben seiner Braugerechtigkeit, 60, Henrich Diederich aber wegen seiner Privat-Apotheken 40 zu erlegen hat. Denn weil in republica die monopolia nicht zu gedulden, als welche dem gemeinen Wesen hochschädlich und zu Versteigerung [Verteuerung] der Waren Anlaß geben, und bei gefährlichen Infectionszeiten besser, wenn man mehr als eine Apotheken hat, damit, wenn eine etwa inficiret, man sich der anderen sicher gebrauchen könne, weil auch durch dieses Mittel zu Anschaffung guter Medicamente und billigen Wert ein jeder necessieret und angetrieben wird, auch dem Rat und gemeiner Stadt frei stehet das Ihrige nach Ihrem Besten zu nutzen und zu gebrauchen und an anderen Orten die Apotheken etzliche hundert Taler Überschuß eintragen. Jedoch stehet E.E. rat dieses jederzeit frei nach Gelegenheit der Zeiten zu enderen, und sein nicht desto weniger die Apotheker schuldig, der Apothekerordnung stricte nachzugehen und was der Apothekereid mit sich bringt, neben ihren Gesellen stricte zu observiren, wenn sie nicht wollen in Strafe kommen.“

 

Die ersten Jahre

Die „Gründungsgeschichte“ der Löwen-Apotheke ist nicht in allen Einzelheiten nachvollziehbar. Ein Ratsbeschluss zu ihrer Errichtung ist nicht überliefert, so dass insbesondere ein genaues „Gründungsdatum“ nicht zu ermitteln ist. Die vergleichsweise genaueste Angabe liefern zwei Schriftstücke vom 23. September 1707 und 15. März 1709, in denen von der Einrichtung der Löwen-Apotheke während der „vormahls eingerissenen pestilenzischen Seuche“ (1707) gesprochen wird bzw. davon, dass „Herwig Diederich tempore pestis zu Duderstadt ein Apotheken aus seinen Mitteln aufgerichtet“ und auch weiter „in flohr“ gehalten habe (1709). Zusammen mit den vorstehend zitierten Passagen bei Barckefeldt kann damit das „Gründungsjahr“ 1682 als gesichert gelten, die zu vermutende zeitliche Nähe zu der Einstellung zusätzlicher Pestärzte und den vom Rat beschlossenen Verhaltensregeln für die Apotheker legt einen „Gründungstermin“ in der ersten Jahreshälfte nahe.

 

Der erste Apotheker in der späteren Löwen-Apotheke war Johann Henrich Diederich. Er stammte aus Eilingerode und erwarb am 11. Juni 1677 das Bürgerrecht der Stadt Duderstadt. Am 24. Januar 1679 heiratete er Christina Elisabeth, die 1656 geborene jüngste Tochter des Barthold Wehren. Ab 1686 ist er in den Steuerlisten der Stadt von 1686-1698 Stubenviertel (Haus Nr. 360, heute Marktstraße 31; damals wie heute Standort der Löwen-Apotheke) genannt, zuvor (ab 1658) steht an dieser Stelle seine Schwiegermutter, die Witwe Barthold Wehren. Bevor er 1682 die Apotheke errichtete, war er offenbar in einem ähnlichen Beruf tätig – die Quellenlage erlaubt keine genaueren Angaben, allerdings wird 1698 in einem Schreiben an den Rat darauf hingewiesen, dass er bereits 1680 verpflichtet worden sei, sich künftig “allen hiesiger Rathsapotheke zuwider laufenden Eingriffen zu enthalten“. Dies könnte ein Hinweis darauf sein, dass er sich zu dieser Zeit als Krämer betätigt und die städtischen Bestimmungen bezüglich der den Krämern verbotenen Apothekenwaren mißachtet hatte.

 

Mit dem Problem der Abgrenzung der Geschäftsfelder sah sich Diederich 1692 erneut konfrontiert, diesmal aber unter umgekehrten Vorzeichen. In einer Eingabe an den Rat vom 7. Februar des Jahres führte er aus, er sei vor einigen Jahren „gegen Erlegung eines beschwerlichen Zinses zu dero Apotheker auff und angenommen“ und zugleich „alles Schutzes und obrigkeitlicher Assistenz versichert worden“, müsse nun aber „nicht ohne Befrömbdung und Verdruß täglich sehen undt vernehmen, daß Johann Christoph Schultze unter dem Namen eines Materialisten [...] allerhandt Composita und zur Apotheke einig und allein gehörige“ Waren verkaufe und so die Gefahr bestehe, dass „hiesige E.E. Raths Apotheke in nicht geringen Abgang“ gerate. Daher sei Schulze „mit allem Ernst zu strafen“. Im Dezember 1692 legte Diederich dem Rat verschiedene Medikamente vor, die Schulze „wider das Verbot verkauft“ habe. Schulze bestritt seine Schuld, wurde aber dennoch am 19. Dezember 1692 zu 3 Rtl. Strafe verurteilt, mit der Auflage, künftig „dem vorigen Verboth bey 10 Rtl. ohnnachlässiger Strafe sich conform [zu] bezeigen.“

 

In seiner Eingabe vom Februar 1692 beschrieb Diederich auch seine Sicht der Entwicklung „seiner“ Apotheke in den vergangenen fast 10 Jahren. So habe er, „damit hiesige E.E. Raths Apotheke in gute Auffnahm gebracht und inkünftig allerhandt beschwerliche Excursiones bestmöglichst vermieden werden mögten, mein gantzes Vermögen und Habseligkeit, gleich anfangs darbei tempore contavii, nicht sonder Leib- und Lebensgefahr, darob einzig und allein verwendet, undt damit dasjenige, was zu Aufrichtung einer beständigen Officin im Fall nötig, herbei geschaft und colligiret werden mögte, [...] alles fleißes bemüht“. Auffällig ist, wie sehr Diederich seinen Status als Ratsapotheker betont – Barckefeldt sprach 1683 noch von einer Privatapotheke –, nicht ohne zugleich seinen persönlichen, auch finanziellen Anteil bei der Errichtung der Apotheke zu betonen. Zudem spielt die Konkurrenzsituation eine erhebliche Rolle. Wenn auch die geschäftliche Entwicklung der Apotheke in dieser Zeit nicht konkret nachvollziehbar ist, so wird deutlich, dass die Konkurrenz des Materialisten Schulze eingeschränkt werden soll, um die Apotheke nicht in Ihrem Bestand zu gefährden. Dass diese Aussage nicht nur ein „taktisches“ Moment im Rahmen der aktuellen Auseinandersetzung darstellt, legen die Einträge über die Zahlung des Apothekenzins in den städtischen Rechnungsbüchern dieser Zeit nahe. In den 1680er Jahren finden sich keine Nachweise, erst ab 1690 wird die Einnahme aus Apothekenzins für die Löwen-Apotheke verbucht, was aber immerhin belegt, dass die Apotheke dann einen entsprechenden Ertrag abwarf.

 

Der Schwan-Apotheker (Ratsapotheker) Johann Jacob Keysenberg zahlte nach Ausweis der städtischen Rechnungsbücher in dieser Zeit keinen Apothekenzins – ob die Verpflichtung anderweitig, z.B. durch Verrechnung mit Lieferungen an den Rat, abgegolten wurde, kann auf Grund der Quellenlage nicht sicher entschieden werden. Einiges spricht aber dafür, dass der Zustand der Schwan-Apotheke in dieser Zeit prekär war. Als Keysenberg, seinem Verständnis nach der einzig rechtmäßige Ratsapotheker, kurz nach dem Tod des Johann Henrich Diederich in einer Eingabe an den Rat vom 11. April 1698 die Aufhebung der „Nebenapotheke“ forderte, führte er zur Begründung aus, dass die Konkurrenz „zu meinem höchsten Nachtheil bis hieher geduldet“ worden sei, der nun eingetretene Todesfall aber dem Rat die Möglichkeit gebe, „dero in Abgang gekommene Raths Apotheke zu restabiliren und wieder in flohr zu bringen“. Er bitte, ihn allein als Ratsapotheker zu „manuteniren“. Obwohl er die zuverlässige und preisgünstige Belieferung der Stadt mit Apothekenwaren versprach und zusagte, die Apotheke vom Rat visitieren zu lassen (was ohnedies vorgeschrieben war) sowie einen angemessenen Apothekenzins zu entrichten, wurde sein Gesuch abgelehnt, die Löwen-Apotheke bestand nach dem Tod ihres ersten Betreibers weiter.

 

Die Nachfolgegenerationen

Am 22. Mai 1698 zahlte die Witwe Henrici Diederichs von Böhmfeldt wegen Herrici Diederichs gewesener Apotheken alhier, ihr anererbten Verlassenschaft ahn Bahrschaften“ 280 Rtl für ihren Erbanteil, am 3. Oktober des Jahres beglichen die (weiteren) Erben die noch ausstehenden 60 Rtl. Apothekenzins und erhielten am 3. Oktober 1698 vom Rat knapp 20 Rtl. zur Begleichung einer noch offenen Apothekerrechnung.

 

Die Klärung der Vorgänge aus der Zeit unmittelbar danach bis zur Übernahme der Apotheke durch Johann Adam Neupert im Jahr 1700 wird durch eine unzureichende und z.T. widersprüchlicher Quellengrundlage erschwert. Dies hat in der Literatur zu unterschiedlichen Interpretationen geführt. Johann Wolf schreibt, dass in dieser Zeit ein Bruder die Apotheke fortführte, Lerch gibt einen gleichnamigen Sohn an und Kaufholz sieht in der Ehefrau des Johann Adam Neupert, Margaretha Judith Diederich, eine Schwester des Verstorbenen. Diese führte in einem späteren Schreiben (1709) aus, dass die Apotheke von ihrem „seel. Vetter Herwig Diederich [...] aufgerichtet“ worden sei und „nach seinem Todt diese auf mich als seine nechste Erbin jure successionius devolviret, welche auch sofort von meinem seel. Mann Johann Adam Neupert ist versehen“. 2 Jahre zuvor hingegen schrieb Johann Adam Neupert an den Rat, er habe die Apotheke „von den Erben meines seel. Schwagers und Antecessoris Heinrich Dietrich erkaufft“, der die Apotheke während der Pestzeit eingerichtet habe Irritierend ist, dass ein Apotheker Johann Henrich Diederich am 18. Juli 1698 für sich und einen Adam Georg Diederich die Bürgerschaft erkaufte, dabei „hat obbemeldter Johann Henrich Diederich Apotheker die erkauffte Bürgerschaft mit 10 Rtl. bezahlt“. Schließlich erwarb am 30. April 1700 ein Henrich Ernst Diederich aus Böhmfeld die Bürgerschaft, zahlte die geforderten 10 Rtl. und wurde „gewöhnlich beeidigt“. In unserem Zusammenhang bedeutsam ist der Zusatz: „was er sich darbei wegen der Raths Apotheken und Abzugsgeldern reverieret, ist in E.E. Rats Neben-Protocollo zu finden.“

 

Ungeachtet der genauen Familienverhältnisse müsste dieser Henrich Ernst zu den Erben des Johann Henrich Diederich gehört haben, von denen Johann Adam Neupert die Apotheke gekauft hat. Neupert ist ab 1704 in der Nachfolge der Erben des Henrich Diederich in den städtischen Steuerlisten genannt. Er stammte aus Thalwitz in Sachsen, war verheiratet mit Anna Margaretha Judith Diederich aus Eilingerode und wurde am 19. Juni 1708 begraben. Seit 1700 ist er in Duderstadt nachzuweisen, bereits am 17. März und am 26. April zahlt er Apothekenzins, insgesamt 25 Rtl., danach am 9. Juni noch einmal 31 Rtl. 10 fgr. „von der Apotheken“, mit einer weiteren Zahlung von 10 Rtl. am Ende des Rechnungsjahres war der gesamte rückständige Apothekenzins bis „abgewichene Pfingsten“ durch ihn beglichen.. Am 4. Dezember 1699 zahlte er 20 fgr. Hochzeitsgeld, er hatte „mit Judith Diederich Hochzeit gehalten“. Am 22. Juli 1700 erwarb er das Bürgerrecht, am 23. Juli 1700 für 10 Rtl. für das Braurecht.

 

1707 entstand eine Situation, bei der die Problematik der gegenüber der Schwan-Apotheke abweichenden Besitzverhältnisse erstmals virulent wurde. Nach einem „ohnlängst eingegangenen Churfürstl. Rescripto“ sollten die Apotheken meistbietend öffentlich auf jeweils drei Jahre versteigert werden. Am 23. September 1707 war ein Termin für die Löwen-Apotheke anberaumt, bei der Johann Adam Neupert das erste Gebot mit 32 Rtl. jährlich abgab. Zwei weitere Bieter trieben den jährlichen Zins bis auf 80 Rtl., allerdings für die Apotheke samt „Behausung“. Neupert bot nicht mehr mit, sondern verwies auf seine Eingabe vom gleichen Tag, in der er das gesamte Verfahren kritisierte, da in der Kurfürstlichen Verordnung offenbar davon ausgegangen werde, dass „meine Apotheker zusambt dem Hause, wie theils Orthen gebräuchlich, nicht mein, sondern E.E. Rath und gemeiner Stadt zugehören thäten, solches aber dahier nicht in Herkommen ist.“ Vielmehr habe er die Apotheke von den Erben des Gründers gekauft, der sie auf eigene Kosten eingerichtet und in Stand gehalten habe, so dass Haus und Einrichtung der Apotheke nach dem Kauf nun sein Eigentum seien, über das der Rat nicht verfügen könne. Er bittet daher, der Rat solle sich um die Aufhebung der Kurfürstlichen Anordnung bemühen und bis dahin ihm die Apotheke gegen entsprechenden Zins „prolongieren“.

 

Nach seinem Tod sollte das Bieterverfahren erneut in Gang gesetzt werden, auf Anordnung der Regierung in Heiligenstadt vom 1. Dezember 1708 wurde der Termin am 7. Dezember 1708 vom Rat auf den 1. April 1709 festgesetzt. Nun argumentierte die Witwe Neupert in einem Beschwerdeschreiben an die Regierung in Heiligenstadt in ähnlicher Weise, dabei im Ton schärfer als ihr Mann zwei Jahre zuvor. Ihr verstorbener Mann habe als Ratsapotheker die Apotheke für 30 Rtl. jährlichen Zins auf (weitere) 3 Jahre inne gehabt, nun aber „hat sich hiesiger Stadt Rath unterstanden, [...] die mir erb- und eigenthümblich zustehende Apotheke plus licitanti auszustecken“, der Rat sei aber „nicht befugt“, die ihr zustehende Apotheke an einen anderen abzugeben, sondern könne „bloß allein das meinem Mann seel. gegen versprochene 30 Rtl. auf 3 Jahr gegebene Predicat eines Rathsapothekers“ anderweitig vergeben. Die Apotheke, „so dem Rath kein Kreutzer gekostet“, unterliege nicht der Verfügung des Rates, weil es „sowohl contra jura als die selbst redende Billigkeit laufen thut, welche nicht zulasset, einem das seinige gegen seinen Willen zu berauben.“ Der Rat möge demnach angewiesen werden, die Versteigerung abzusagen, ersatzweise bis zu einer mündlichen Verhandlung auszusetzen.

 

Das Verfahren endete am 8. November 1709 mit einem Erfolg der Klägerin. So konnte sie erreichen, dass die Apotheke weiterhin in der Familie blieb. Sie heiratete am 14. Oktober 1709 Johann Christoph Callenberg, Apotheker aus Herleben bei Gotha, der am 23. Oktober das Duderstädter Bürgerrecht und das Braurecht erwarb. So in Duderstadt etabliert, übernahm er 1710 die Apotheke, die er selbst Ende 1709 noch als Eigentum der Witwe Neupert und ihrer beiden Kindern bezeichnete. Nach Ausweis der städtischen Rechnungsbücher zahlte die Witwe Neupert den Apothekenzins von 10 Rtl. noch für 1709 und ist für 1710 ohne Zahlungseintrag genannt, 1711 ist dann Johann Christoph Callenberg mit einer Sollzahlung von 55 Rtl. notiert. In den städtischen Steuerlisten findet sich Callenberg von 1710 bis 1746.

 

1712 beteiligte er sich an einer Eingabe sämtlicher offiziellen Medizinalpersonen in Duderstadt beim Rat, in der sie Protest einlegten gegen die unerlaubte Einschränkung ihrer Tätigkeiten durch Kurpfuscher und Materialisten. Im November 1714 rechnete er Forderungen an den Rates rückwirkend bis 1706 ab. Er behielt die Apotheke bis zum Ablauf der zwischenzeitlich mehrfach erneuerten Pachtperiode im Jahr 1745 und starb am 11. März 1746. Auffällig sind die Einträge in den Kämmereirechnungen aus den 1730er Jahren. Während 1732 die Zahlung Callenbergs „von der Löwen“-Apotheke mit den üblichen 55 Rtl. vermerkt ist, findet sich 1738 der Absatz: „Die Löwen-Apotheke ist à tempore commissionis nicht verpachtet worden, immittels entrichtet davon Johann Christoff Callenberg jährlich 55 Rtl.“ Dieser Eintrag findet sich textgleich an der entsprechenden Stelle der Kämmereirechnungen bis 1745, 1746 sind es dann die Erben, die den Betrag zahlten. Unter Hinzuziehung der städtischen Rechnungsbücher lässt sich der Zeitpunkt der offenbar gescheiterten Pachtverlängerung auf 1735 oder 1736 datierten, ein Hinweis auf die Hintergründe ist aber nicht zu finden.

 

Ein Intermezzo – die Engel-Apotheke

Ende 1745 wurde vom Rat mit Bezug auf die „Churfürstliche gnediste Ordination“ vom 12. April 1707 die öffentliche Versteigerung des Apothekenprivilegs an den Meistbietenden für beide Apotheken angesetzt. Anders als 1707/1709, wo dieses Verfahren abgewendet wurde und in der Zeit des Apothekers Callenberg, wo es offenbar nicht in dieser Form angewendet wurde bzw. werden konnte, ging es diesmal nicht nur um die Schwan-Apotheke, sondern per Termin am 30. Oktober 1745 auch um die Löwen-Apotheke, für die ausdrücklich darauf hingewiesen wurde, dass hier nur das Privileg versteigert wurde, „exclusive des Hauses, als welches seinem Besitzer zugehörig.“ Die Pachtbedingungen sahen u.a. vor, dass die Verpachtung auf 9 Jahre erfolgen und bei Besitzerwechsel der Nachfolger die Waren zum Schätzpreis vom Vorgänger übernehmen sollte, wobei sich die beiden Parteien auf einen Taxator zu einigen hatten.

 

Der Termin am 30. Oktober brachte nicht das vom Rat gewünschte Ergebnis – es war kein Bieter erschienen. Auch der bisherige Löwen-Apotheker Callenberg bzw. sein designierter Nachfolger und Schwiegersohn Ludwig Zacharias Breithaupt boten nicht für das Apothekenprivileg. Der Rat vermutete, dass „sowohl einheimische als ausländische Civitanten aus Abgang eines zu ihrer Einrichtung beförderlichen Hauses bey sothaner Apotheke ihr Convenienz zu finden nit getrauet“ hätten und beschloss „um diesem Hindernis abzuhelfen“ am 4. Dezember 1745, das „alsogenannte alte Stadthauptmannshaus auf Kosten des Raths in wesentlich guten Stand herzustellen, und dem künftigen Pächter /: jedoch exclusive des darauf haftenden Braus :\ zur beständigen Wohnung und Einrichtung seiner Officin zu überlassen.“ Nach Abschluss der Umbauarbeiten sollte ein neuer Versteigerungstermin angesetzt werden, bis dahin – genauer bis Galli (15. Oktober) 1746 – sollte der bisherige Besitzer „bey mehrgemeldter Apotheke belassen“ werden. Dementsprechend findet sich in der Kämmereirechnung des Jahres 1746 der Vermerk: „Die Löwen-Apotheke ist zwahr in diesem Jahre zu mehrmahlen angeschlagen worden, es ist aber die Licitation noch nit zustande kommen, interim werden von Johann Christoph Callenbergs Erben davon entrichtet 55 Rtl.

 

Bei der Versteigerung, die schon am 6. Mai 1746 stattfand und deren Protokoll nicht erhalten ist, erhielt Heinrich Albrecht Sander für jährlich 122 Rtl. den Zuschlag. Es ist nach der Quellenlage nicht zu klären, ob Ludwig Zacharias Breithaupt als Nachfolger seines inzwischen verstorbenen Schwiegervaters überhaupt mitgeboten hatte, spätere Aussagen lassen die Vermutung zu, dass dies eher nicht der Fall war.

 

Im Laufe des Jahres 1746 wurde die „neu angelegte Löwen-Apotheke, so vormahlen das alte Stadthauptmannshaus gewesen“ für fast 300 Rtl. umgebaut, Zahlungsempfänger der zwischen April und Oktober 1746 ausgestellten Rechnungen waren u.a. Zimmermeister Petersen, Maurermeister Joh. Diederich Borchard, Schreiner Jacob Gleitz, Schlosser Johann Jobst Hentrich, Nagelschmied Strickstrock und Tüncher Henrich Haase.

 

Sander übernahm die Apotheke im Herbst 1746. In der Kämmereirechnung von 1747 ist die Zahlung des vollen Jahresbetrages an Apothekenzins notiert. 1747 ließ er Malerarbeiten an der Inneneinrichtung ausführen und beauftrage einen Bildhauer mit der Herstellung einer Engelsstatue, deren Bezahlung vom Rat übernommen wurde. Seither wird die Apotheke außer als Löwen-Apotheke auch als Engel-Apotheke bezeichnet, wobei die Verwendung der Namen keinem festen Schema zu folgen scheint. In den Kämmereirechnungen wird der Apothekenzins durchweg für die „sogenannte Löwen-Apotheke“ entrichtet, Bauausgaben späterer Jahre werden für die „neue Engel-Apotheke“ abgerechnet und ein Schreiben des Schwan-Apothekers Hesse vom November 1747 spricht von „der anderen Apotheke zum Guldenen Engel alias Löwen genannt“.

 

In der Folge erlebte neben der Problematik der speziellen Besitzverhältnisse (Privileg beim Rat, Haus und Einrichtung privat) auch die alte Debatte der Abgrenzung von Apothekers und Materialisten eine neue Auflage. Breithaupt weigerte sich, Sander „seine“ Apothekerwaren zu überlassen, war nun als Materialist geschäftlich tätig und wurde deshalb von Sander wegen Verletzung des Apothekenprivilegs verklagt. Am 15. Februar 1749 urteilte der Rat in dieser Sache, dass Breithaupt „nebst denen Compositis auch die ihm als Materialisten zu führen ohnerlaubten Simplicia [...] binnen gesetzter Frist los zu schlagen und künftighin des Debits der ihm zu führen ohnerlaubten Simplicia sich überhaupt, soviel aber die erlaubten Simplicia anbelanget, deren Verkauf en gros gäntzlich zu enthalten“ habe. Am 7. Mai 1749 beklagte Sander gegenüber dem Rat, dass in der Breithaupt gesetzten Frist von 6 Wochen zum Verkauf der unerlaubten Waren nichts geschehen sei. Ihm erwachse durch Breithaupts fortgesetzte Tätigkeit großer wirtschaftlicher Schaden.

 

Ebenfalls im Mai erhob Breithaupt beim Oberlandgericht in Heiligenstadt Widerspruch gegen das Urteil des Rates vom 15. Februar 1749. Im Verfahren „conta Sander modo Rat zu Duderstadt“ ging Breithaupt nach dem Urteil des Juristen Lerch „hartnäckig und mit Geschick“ vor, er verwies auf (tatsächliche oder vermeintliche) Präzedenzfälle aus der in Duderstadt geübten Praxis und die Verhältnissen u.a. in Erfurt, die er jeweils durch Zeugenaussagen belegte. Seitens der Stadt, die Breithaupt in ihren Schriftsätzen wechselweise als „Appellanten“ und als „Querulanten“ titulierte, wurde auf die schon lange bestehenden Rechtslage (Verbot des Verkaufs von Apothekerwaren durch Krämer in den städtischen Statuten und – wie schon im Urteil vom 15. Februar 1749 – auf die „Churfürstliche Relatio“ vom 12. April 1707 sowie die Apothekenordnung von Stadtphysicus Dr. Hoffmann) verwiesen, die Breithaupt klar ins Unrecht setzten. Die Gegenargumentation Breithaupts vom 11. Mai 1750, in dieser Ordnung gehe es um Krämer, nicht um Materialisten, die bereits seit Jahrzehnten „medicinalia simplicia ohne Einspruch verkauft“ hätten, wurde vom Rat am 13. Juli 1750 mit der Begründung verworfen, früher seien Materialisten hauptsächlich Branntweinhändler gewesen, die manchmal auch etwas „Zuckerzeug“ verkauft hätten, es hätte also gar keine Veranlassung gegeben, diese explizit in der Apothekenordnung zu erwähnen. Die Verhältnisse in anderen Orten wie Erfurt könnten nicht als Argumente herangezogen werden. Außerdem müsse die Abgrenzung zu den Apothekern bleiben, sonst würde „niemand mehr eine Apotheke pachten“. Materialistenprofession und Apothekenbetrieb seien gänzlich unterschiedliche Dinge und dabei müsse es auch bleiben, daher müsse Breithaupt „in denen Schranken erhalten“ werden. Abschließend wird festgehalten, es stehe Breithaupt frei, „seines Schwiegervaters Apotheke wieder an sich zu pachten, weilen er solches aber unterlassen“, solle er alle unerlaubten Waren sofort „losschlagen“, zumal dem neuen Apotheker nicht zugemutet werden könne, „bey Tag und zu Nacht Posten auszustellen, die die Acht haben, wenn der Querelant die von seinem Schwiegervatter ererbten simplicia et composita contra ordinationem verdebitirt, zumahlen wider Querelanten die Vermuthung ist, solche unter der Hand zu verkaufen, weilen darinnen ein großes Capital stecket.“ Diese Einlassungen belegen auch recht deutlich die gereizte Atmosphäre, in der das sich nun bereits über ein Jahr hinziehende Verfahren geführt wurde. Auf eine nicht erhaltene Antwort Breithaupts antwortete der Rat am 19. Oktober 1750, wobei die bekannten Argumente wiederholt wurden. Die Überlieferung endet mit einem Schreiben aus Heiligenstadt vom 11. Dezember 1750, in dem Breithaupt zum wiederholten Male eine Fristverlängerung für seine Erwiderung gewährt wurde. Es ist nicht erkennbar, dass es später noch zu einem Urteil gekommen wäre.

 

Inzwischen hatte sich Sander als Apotheker in Duderstadt nicht halten können. Ein Indiz dafür ist die schleppende Zahlung des Apothekenpacht, weshalb die Kämmerei schon am 5. November 1749 bat, ihm einen „kurzen Zahlungstermin“ zu setzen. Am 3. Dezember 1749 teilte die Kämmerei mit, dass innerhalb der gesetzten Frist von 3 Wochen noch keine Zahlung eingegangen sei und beantragte „gegen denselben die Executon“ einzuleiten. Die folgende Auseinandersetzung mit der Kämmerei gipfelte am 9. Dezember 1750 in der Forderung, die Sandersche Apotheke solle zwangsversteigert und bis dahin geschlossen werden, weil er noch mit 106 Rtl. Apothekenzins in Rückstand sei. Ob es tatsächlich zur Zwangsversteigerung kam, ist aus den erhaltenen Quellen nicht abzulesen. Jedenfalls übernahm Breithaupt von Sander das Apothekenprivileg samt dessen Warenbestand und beglich sukzessive die Zahlungsrückstände.

 

Die Bewertung des Warenbestandes verursachte – nach der Vorgeschichte nicht verwunderlich –einige Komplikationen. Nachdem sich Sander am 24. November 1751 beim Rat darüber beschwert hatte, dass Breithaupt sich nicht an das zwischen ihnen „privatim“ vereinbarte Verfahren halten wolle, und sich zudem der Duderstädter Schwan-Apotheker weigerte, die Taxation der Waren vorzunehmen, übernahm der Rat die Angelegenheit. Dennoch dauerte es nach Absagen der Apotheker aus Herzberg und Osterode bis zum 2. Oktober 1752, ehe mit dem Northeimer Apotheker Schüler ein Taxator gefunden wurde.

 

Bereits zu Beginn des Jahres 1752 hatte Breithaupt dem Rat mitgeteilt, dass er „in die nembliche Pacht getreten, welche der ehemalige Apotheker Sander gehabt“ habe und nun bereit sei, im turnusmäßigen Wechsel mit dem Schwan-Apotheker Hesse auch die Lieferung der Medikamente pro pauperibus zu übernehmen. Zunächst betrieb er das Geschäft in der neu erbauten Apotheke, die ja Gegenstand des Pachtvertrages war, in den Breithaupt eingetreten war. Auch dies ging nicht ohne Probleme ab. Im März 1752 beklagte Breithaupt, dass Sander noch in der Wohnung wohne, die ihm zusammen mit der Apotheke verpachtet worden sei. In Laufe des Jahres scheint es eine Lösung gegeben zu haben – weitere Streitigkeiten sind nicht überliefert. Am 30. September 1752 wurden verbliebene Unklarheiten mit dem Rat wegen des Braurechts einvernehmlich geregelt.

 

Nicht eindeutig zu klären ist, wie lange die Apotheke noch im alten Stadthauptmannshaus ansässig war. Die Rubrik „Baukosten in denen Raths-Apotheken“ in den Kämmereirechnungen führt nach einem Fenster für die Löwen-Apotheke im Jahr 1749 in den beiden folgenden Jahren kleinere Ausgaben für die Engel-Apotheke auf. Danach werden zwischen 1753 und 1761 außer für die Schwan-Apotheke wiederholt Kosten für eine Michels-Apotheke verzeichnet, darunter 1754 für Arbeiten, die ausdrücklich auf Antrag Breithaupts durchgeführt wurden. 1763 und 1765 werden unter den Apothekenbaukosten Arbeiten am alten Stadthauptmannshaus abgerechnet, eine andere als die Schwan-Apotheke taucht in dieser Rubrik auch später nicht mehr auf. Unter der (nahe liegenden) Voraussetzung, dass die ansonsten nirgends belegte Michel-Apotheke identisch ist mit der Engel-Apotheke, wäre die Verlegung der Apotheke an ihren früheren Standort spätestens zum oder im Rechnungsjahr 1762 erfolgt.

 

Die Ära Breithaupt

Nach der Rückverlegung in das Haus Marktstraße 31 blieb die Löwen-Apotheke bis heute an diesem Standort und bis 1833 in Besitz der Familie Breithaupt. Ludwig Zacharias Breithaupt wurde ungeachtet der geschilderten scharfen Auseinandersetzungen mit dem Rat ein angesehener Bürger der Stadt und später auch Ratsherr und Senator. Er betrieb die Löwen-Apotheke bis zu seinem Tod im Jahr 1782. Die Einträge in den Kämmereirechnungen belegen, dass er 1751 in den laufenden Pachtvertrag für Heinrich Albrecht Sander einstieg, der Vertrag 1754 zur Mitte des Rechnungsjahres auf weitere 9 Jahre abgeschlossen und danach weiter verlängert wurde.

 

Der älteste Sohn, Johann Christoph Ludwig (getauft am 26. Oktober 1741), heiratete am 17. Oktober 1766 eine Tochter des Senators Hesse, auch dies ein Beleg für die gesellschaftliche Stellung, die die Breithaupts inzwischen erreicht hatten.

 

Bei der Neuverpachtung der Schwan-Apotheke am 9. März 1764 sicherte sich Ludwig Breithaupt den Zuschlag, so dass von diesem Zeitpunkt an beide Apotheken der Stadt im Besitz der Familie Breithaupt waren und bis 1782 auch blieben. Ob in der durch diese Quasi-Monopolstellung gestärkte Stellung der Breithaupts im städtischen Apothekenwesen der Hauptgrund für die ab dem nächsten Versteigerungstermin 1773 reduzierte Pacht für beide Apotheken zu sehen ist, sei dahingestellt, unstrittig ist die „marktbeherrschende Stellung“ der Familie, deren Folgen in einem Bericht des Physicus Arand an den Rat vom 8. Juni 1775 deutlich zum Ausdruck gebracht wurden: „Die beiden Herren Breithaupt Vatter und Sohn besitzen die beiden Raths-Apotheken zu Duderstadt. Hierdurch ist ein solches Monopolium und fast zu glaubende [sic!] Theurung der Medicamenten entstanden.“

 

Dass zudem ein weiterer Sohn, der am 30. Juli 1748 getaufte Georg Wilhelm Bernhard Breithaupt bald danach zum Stadtphysicus ernannt wurde, verstärkte die Dominanz der Breithaupts im Duderstädter Medicinalwesen noch weiter. Allerdings wurde die Visitation der Apotheken dem Landphysicus Dr. Jagemann übertragen – der Interessenkonflikt wäre ansonsten wohl doch zu groß gewesen.

 

Nach dem Tod des Löwen-Apothekers Zacharias Ludwig Breithaupt geriet der Bestand dieser Apotheke kurzzeitig in Gefahr. Die Witwe erklärte am 20. Dezember 1782 gegenüber dem Rat ihren Verzicht auf die Weiterführung der Apotheke und gab sie zur Weitervergabe frei. Daraufhin bestimmte der Rat am gleichen Tag den 31. Januar 1783 als Termin zur Verpachtung beider Apotheken, deren Pachtperiode 1783 sowieso turnusgemäß auslief, gegen jährlichen Zins und zwar „entweder jede ins besonderen an zwey – oder nach Belieben beide zusammen für die einzige Offizin Zum Schwan allein“. Von der Regierung in Heiligenstadt, die davon nach eigener Aussage durch die Anzeige im Heiligenstädter Intelligenzblatt erfahren hatte, legte am 10. Januar 1783 Widerspruch dagegen ein, „eine Apotheke in Duderstadt allenfalls eingehen zu lassen“, zumal der Nutzen, den das Publikum „aus dem hieraus entstehenden Monopolium“ haben könnte, nicht ersichtlich sei und außerdem vom Rat „derley Verfügungen auf keinerlei Art freywillig getroffen werden“ dürften. Derart belehrt, blieb dem Rat keine Wahl, auch wenn zunächst noch darauf verwiesen wurde, dass sich Ludwig Breithaupt bereit erklärt habe, beide Apotheken zu pachten. Am 20. Januar 1783 erging die strikte Weisung, beide Apotheken an zwei verschiedene Personen zu verpachten. Ein darauf festgesetzter Versteigerungstermin am 14. März 1783 brachte zunächst kein Ergebnis. Beide Bieter, Ludwig Breithaupt und der Heiligenstädter Apotheker F.W. Malsch, boten konsequent für beide Apotheken im Paket – sicherlich in der Absicht, nur eine, nach Lage der Dinge die Schwan-Apotheke, weiter zu betreiben und Konkurrenz zu verhindern. Darauf regte die Regierung in Heiligenstadt an, man möge einen neuen Versteigerungstermin auch in Frankfurter und Hamburger Blättern bekannt machen, aber auch das brachte zunächst keinen Erfolg. Am 18. Juli wurden zwar für die Schwan-Apotheke nach einem Bieterwettkampf zwischen Christian Heinrich Weber, der sich auf die überregionale Ausschreibung hin gemeldet hatte, und Breithaupt von Weber 125 Rtl geboten. Breithaupt musste sich mit der Löwen-Apotheke begnügen, für die er 20 Rtl. bot und dabei ohne Gegengebot blieb. Darauf mochte sich nun der Rat nicht einlassen, auch dann nicht, als Breithaupt sein Angebot auf 30 Rtl. erhöhte und den Wert der von ihm selbst bereit gestellten Ausstattung der Apotheke auf 300-400 Rtl. veranschlagte. Nach Rücksprache mit den Behörden in Heiligenstadt wurde schließlich eine Lösung gefunden: Das Privileg für jede der Apotheken sollte für jeweils 60 Rtl. verpachtet werden und für die Schwan-Apotheke zusätzlich für die Wohnung und das Inventar geboten werden. Hierbei setzte sich am 26. August 1783 Weber gegen Breithaupt durch, er bot letztlich zusätzlich 87 Rtl. für die Ausstattung der Apotheke. Breithaupt “stand vom weiteren Biethen ab“ und musste statt der bisher inne gehabten Schwan-Apotheke mit der Löwen-Apotheke Vorlieb nehmen. Nach Ablauf der neunjährigen Pachtperiode wurde der Pachtvertrag am 28. September 1792 um weitere 3 Jahre zu ansonsten gleichen Konditionen verlängert.

 

Nach Ablauf dieser Pachtzeit erklärte Breithaupt am 13. Dezember 1795, eigentlich müsse er mit dem heutigen Tage „meine Apotheken zuschließen“, wolle sie aber gern weiter betreiben, sofern der Rat bereit wäre, ihm die jährliche Pacht um 20 Rtl. zu ermäßigen. In den umliegenden Orten seien Apotheken angelegt worden und einheimische Kaufleute vertrieben manche Waren, die eigentlich dem Apothekenprivileg unterlägen, so dass sein Geschäft nicht mehr so gut laufe wie früher. In seiner Stellungnahme dazu notierte Stadtschultheiß Hoffmann, die Pacht könne um 10 Rtl. ermäßigt werden. Er glaube gern, dass die Geschäfte schlechter liefen und daher eine Pachtminderung vertretbar sei. Zudem sei ihm der Weiterbetrieb der Apotheke unter Breithaupt auch mit „10 Rtl Pacht weniger lieber als ein Fremder mit 10 Rtl. mehr Pacht.“ Der um eine Stellungnahme gebetene Stadt- und Landphysikus Klinckhardt fügte hinzu, „daß Supplikant in Betracht des vergeringerten Pachtes manche Arznei-Mittel auch etwas billiger geben mögte“. Dass dieser Wunsch erfüllt wurde, darf bezweifelt werden, die Pacht aber wurde für die nächsten 6 Jahre von 60 auf 50 Rtl. herabgesetzt. Am 5. Dezember 1801 wurde der Pachtvertrag zu den gleichen Pachtbedingungen für 9 Jahre verlängert.

 

In der Zeit der napoleonischen Herrschaft wurde im Zuge der Gewerbefreiheit die Pachtung des Privilegs durch den Erwerb eines staatlichen Steuerpatents ersetzt, dies betraf auch die Apotheken. Die speziellen Besitzverhältnis der Löwen-Apotheke erforderten hier ein besonderes Verfahren, dass in einer Anmerkung zur Liste der Patentempfänger des Jahres 1811 beschrieben wird: „Die Löwen-Apotheke gehört durchaus dem Apotheker Breithaupt eigentümlich, das Apothekenrecht hat derselbe so wie seine Vorälteren immer von der Stadt in Pacht gehabt, dermalen hat sich derselbe zwar um ein Patent gemeldet, sich aber zugleich freiwillig erboten, an die Kämmerei als einen Beitrag zu den gemeinen Ausgaben jährlich 30 Rtl. zu zahlen, weshalb dann der Maire auch diese Apotheke zu einem Patent für die Mairie notiert hat.“ Breithaupt beteiligte sich also finanziell am Patentkauf, der wegen des Status als Ratsapotheke dann durch die Stadt erfolgte.

 

Die Möglichkeit des Patentkaufes in der Epoche der Gewerbefreiheit führte ab 1810 kurzzeitig zum Betrieb einer dritten Apotheke in Duderstadt, die 1815 wieder geschlossen wurde. Die Aufstellung der Gewerbetreibenden aus dem Jahr 1813 nennt als Apotheker neben dem Löwen-Apotheker Ludwig Breithaupt noch die Namen Finsterwalder, ab 1810 Pächter der Schwan-Apotheke, und den früheren Schwan-Apotheker Andreas Bartuch, der 1810 bei der Versteigerung gegen Finsterwalder unterlegen war, aber ab 1815 die Schwan-Apotheke wieder von diesem übernahm.

 

Ab 1815 wurden die früheren Verhältnisse wieder hergestellt. Ab 1821 galt dann die Apothekenordnung des Königreichs Hannover, die das Apothekenwesen in 79 Abschnitten umfassend regelte und dabei u.a. wieder ein besonderes (nun aber staatliches) Privileg vorschrieb, das unter Berücksichtigung des örtlichen Bedarfs und der hergebrachten Verhältnisse und Rechtsformen erteilt werden sollte. Die Ausbildung der Apotheker wurde ebenso geregelt, wie die Verfahren zur Anfertigung der pharmakologischen Präparate (und deren Kontrolle) festgelegt wurden. Neben den Arzneien durften auch andere Waren, insbesondere Spezereien, nur in Apotheken verkauft werden. Eine ausführliche Liste benennt die Waren, die für Kaufleuten und Materialisten als Handels-Artikel verboten waren.

 

1817 lebte der Pachtvertrag für „das der Stadt zustehende Privilegium Apothecae in seiner eigenthümlichen Wohnung unter dem bisherigen Namen Löwen-Apotheke gegen eine jährliche Abgabe von fünfzig Thalern“ wieder auf, der 1810 wegen der geänderten Rechtslage „nicht wieder hat erneuert werden können“. Pächter war nun der Sohn des Johann Christoph Ludwig, der am 1. Oktober 1771 getaufte Georg Anton Breithaupt, der die Apotheke am 14. März 1817 zunächst auf 6 Jahre pachtete. Der Vertrag wurde am 7. Mai 1723 um weitere 6 Jahre (ab 1. Januar 1824) verlängert, die Pachtzeit wurde bereits am 29. September 1823 auf 12 Jahre heraufgesetzt. Der Vertrag hätte demnach bis zum 31. Dezember 1835 gegolten, allerdings starb Georg Anton Breithaupt am 21. April 1832, was Auslöser für eine grundlegende Veränderung der Rechtsverhältnisse der Löwen-Apotheke wurde.

 

Neue Rechtsform – das Apothekenprivileg in Privatbesitz

Nach dem Tod Breithaupts wurde die Apotheke zunächst provisorisch von dem bisherigen Gehilfen Jacob Macke auf Rechnung der Erben weitergeführt, was aber auf Dauer nicht die Billigung des Magistrats finden konnte. Zwar hatte er der provisorischen Regelung zunächst zugestimmt, die Landdrostei in Hildesheim beanstandete dies aber, da Jacob Macke die notwendigen formalen Voraussetzungen fehlten, es müsse ein „gesetzlich dafür für fähig zu haltender Administrator“ gefunden werden.

 

Am 3. Juni 1833 führte Jacob Macke aus, ihm habe der letzte Pächter Georg Breithaupt das Haus samt Einrichtung testamentarisch vermacht habe mit der Auflage, die Apotheke zunächst für die Erben zu administrieren, sie danach aber bis Ablauf der Pachtfrist auf eigene Rechnung zu übernehmen. Wegen der nicht unerheblichen Kosten der Übernahme bitte er um anschließende Verlängerung des Pachtzeitraums um weitere 12 Jahre von 1836 an. Zugleich erklärte er sich bereit, statt bisher 80 Rtl. jährlich künftig 100 Rtl. Pacht zu zahlen. Die Bitte wurde abschlägig beschieden, da – wie dann auch gegenüber der Landdrostei begründet wurde – Macke als ungeeignet erscheine und sich „schwerlich ein dritter Fremder“ als Administrator für 2 Jahre finden lassen werde.

 

ABB DWB1833

Vielmehr sollte 1833 – wie bereits 1823 mit der Schwan-Apotheke geschehen – auch die Löwen-Apotheke „in Erbenzins, gegen einen jährlichen Canon“ zum. Januar 1834 verkauft werden. Der Verkaufstermin war auf den 29. Oktober1833 festgesetzt, er wurde überregional angekündigt – außer in Duderstädter Wochenblatt vom 7. September 1833 auch in der Kasseler Zeitung, in den Hannoverschen Anzeigen und in der Hannoverschen Zeitung. Mit dem Meistgebot von 4600 Talern ging der Zuschlag an Wilhelm Ludwig Wenkebach aus Norden, der zuletzt in Gronau tätig war. Er kaufte auch von den Breithaupschen Erben Haus und Grundstück für 2750 Taler und das Apothekeninventar für 1096 Taler.

 

Damit ging das Privileg der Löwen-Apotheke in die Hand des Käufers über, der allerdings der Stadt weiterhin eine jährliche Abgabe leisten musste und sich bei Androhung des Verlusts des Privilegiums vertraglich verpflichtete, die Apotheke ohne Genehmigung des Rates weder eingehen zu lassen noch mit einer anderen Apotheke zu vereinigen. Das Apothekenprivileg als ursprünglich eigenständiger Rechtstitel blieb seither faktisch an den Besitz des Hauses gebunden.

 

Nach dem Tod Wilhelm Ludwig Wenkebachs (11. März 1840) versuchten Witwe und Erben zunächst, die Apotheke durch Vertreter („Provisoren“) weiter zu betreiben. Als dies behördlicherseites untersagt wurde, wurde Carl Barth aus Heiligenstadt auf 20 Jahre als Pächter der Apotheke eingesetzt (1843-1863), die er ab 1853 unterverpachtete (an sog. „Afterpächter“), weil er selbst eine Apotheke in Bremerhaven übernommen hatte. Afterpächter war zunächst Adolf Germelmann, der 1859 nach Bad Lauterberg verzog und in Thankmar Reif aus Bremervörde einen Nachfolger fand.

 

Anträge der Witwe Wenkebach, den jährlichen „Canon“ für ihren Pächter durch eine Einmalzahlung abzulösen oder wenigstens in der Höhe herabzusetzten, blieben ohne Erfolg.

 

Carl Barth sah sich 1847 einer Anzeige wegen pflichtwidrigen Verhaltens konfrontiert. Der Duderstädter Arzt Dr. med. Macke hatte ihn angezeigt, weil er Rezepte eines Kuhhirten aus Westhausen „verfertigt“ und sich damit einer „groben Pflichtwidrigkeit“ schuldig gemacht habe. Dieser Kuhhirte sei ein „Quacksalber und Pfuscher“. Nach einer ausgiebigen Untersuchung mit Zeugenbefragungen erfolgte am 26. März 1847 die Verurteilung Barths zu einer Geldbuße von 5 Rtl. und der Übernahme der Kosten der Untersuchung. Darüber hinaus verfügte die Landdrostei in Hildesheim die „sorgfältigste“ Überwachung des Apothekers. 1853 wurde Barth erneut zu 5 Rtl. Geldstrafe verurteilt, diesmal wegen Beihilfe zur unerlaubten Ausübung medizinischer Tätigkeiten durch Johann Sieblitz aus Duderstadt, weil er von diesem ausgestellte Rezepte „verfertigt“ hatte.

 

1863 übernahm Ulrich Wenkebach (Sohn und Erbe des Wilhelm Ludwig Wenkebach) die Apotheke. Da er die notwendige Qualifikation besaß, inzwischen die vorgeschriebene Altersgrenze von 25 Jahren erreicht hatte und an seiner charakterlichen Eignung kein Zweifel bestand, bekam der die Zustimmung der städtischen Gremien und der übergeordneten Landdrostei in Hildesheim, die inzwischen für die Bestätigung der Apotheker zuständig war.

 

Das Apothekengebäude hatte als einziges Haus aus dem Quartier den großen Stadtbrand von 1852 überstanden, von dem die gesamte Bebauung der nördlichen Marktstraße von der Apotheke bis zum Obertor sowie das bauliche Umfeld der St. Cyriakus-Kirche (Oberkirche) einschließlich der Kirche selbst betroffen waren. Das am 19. September ausgebrochene Feuer wurde durch starke Winde angefacht und konnte erst 2 Tage später und nur dadurch gestoppt werden, dass zu Hilfe gekommene Clausthaler Bergknappen sämtliche Hintergebäude und das Nachbarhaus Marktstraße 33 einrissen. Das stehen gebliebene Apothekenhaus war alt und sanierungsbedürftig und als Apotheke eher unzureichend. Der Magistrat beschrieb im Jahre 1864 die Situation so: „Der Umsatz der Löwen-Apotheke mag pp. 1800 bis 2000 Rtl. jährlich in der letzten Zeit betragen haben. Das an der Unteren Marktstraße belegene Apothekengebäude hat zwar eine recht günstige Lage, ist aber geradezu in manchen Theilen baufällig zu nennen.“

 

So verwundert es nicht, dass Ulrich Wenkebach ab 1867 eine Modernisierung plante. Wohlweislich beantragte er keinen kompletten Neubau, der wegen der nach dem Brand erlassenen Verordnungen auch ein Zurücksetzen der gesamten Fronten zur Marktstraße und zur damals sog. „Hundegasse“ (heute Löwengasse) in die neu festgelegten einheitlichen Baulinien erfordert hätte, sondern entwickelte den durchaus ambitionierten Plan, im Rahmen eines Umbaus nur das Untergeschoss zu ersetzen, die Obergeschosse aber unverändert zu lassen. Nach Ablehnung eines ersten Antrages von 1867 und Neubeantragung 1870 entwickelte sich daraus ein längerer Streit mit dem Magistrat, der schließlich von der Landdrostei in Hildesheim entschieden werden musste. Bei einem Lokaltermin am 20. Januar 1870 stellte die Baukommission der Stadt fest, sie habe „das Haus in allen seinen Theilen verbaut vorgefunden, die Parterre liegt zum Theil in der Erde, die erste Etage hat nur einige niedrige Kammern und die zweite Etage, welche nach der Unterschwellung resp. dem Unterbau stehen bleiben soll, ist ebenfalls in ihren Räumen niedrig und ragt über den Unterbau sowohl an der Marktstraße als an der Hundegasse bedeutend hervor. Das Haus ist alt, hat an der östlichen Seite keine selbständige Mauer und obgleich einige Balken und Träger von starkem Bauholze sind, so sind die Hölzer in der Spitze des Hauses dennoch schwach und das Holzwerk ist, wie der Augenschein ergiebt, an der Außenseite, namentlich an der westlichen Seite des Oberbaus, abgesehen von den Schwellen, bereits verfault.“ Der geplante Umbau sei nicht nur unzweckmäßig, weil er das Problem der ungünstigen Raumaufteilung nicht löse, sondern auch gefährlich, weil bei der geplanten Herausnahme des „Unterbaus“ Einsturzgefahr bestehe. Außerdem wäre die vom Magistrat geforderte „Begradigung der Baulinie“ so nicht zu erreichen. Die Landdrostei entschied am 10. März 1870, dass der Magistrat zwar im vorliegenden Fall eines geplanten Umbaus kein Recht auf Begradigung der Baulinie geltend machen könne, der Zustand des Gebäudes aber einen Neubau ratsam erscheinen lasse. Daher solle der Magistrat im Interesse aller auf Wenkebach zugehen. Eine Einigung kam jedoch nicht zustande, Ulrich Wenkebach verkaufte die Apotheke im August 1870 an Paul Jeckel aus Breslau.

 

Jeckel seinerseits verkaufte die Apotheke 1879 an den Schwan-Apotheker Adalbert Conzen, der eine Vereinigung beider Apotheken anstrebte. Mit Hinweis auf die Notwendigkeit zweier Apotheken in Duderstadt und die Regelungen beim Verkauf im Jahr 1833 untersagte der Magistrat die Zusammenlegung. Zwar sah die daraufhin von Contzen eingeschaltete Landdrostei in Hildesheim in der Vereinigung der Apotheken kein Problem, im Bedarfsfalle könne ja später die zweite Apotheke wieder eröffnet werden, doch der Magistrat beharrte auf seiner Position und schaltete das Ministerium der geistlichen Unterrichts- und Medizinalangelegenheiten in Berlin ein, das am 15. Februar 1871 den Bescheid erteilte, „dass vom gesundheitspolizeilichen Standpunkte zur Zeit der Fortbestand zweier Apotheken in Duderstadt für nothwendig zu erachten ist.“ Conzen wurde freigestellt, die Löwen-Apotheke weiter zu verkaufen oder vom Kaufvertrag zurückzutreten.

 

Contzen trat vom Vertrag zurück und Jeckel betrieb die Apotheke zunächst weiter, bevor er sie 1883 an Wilhelm Nelz aus Dingelstädt verkaufte, den Vater des 1888 in diesem Haus geborenen Heimatdichters Robert Nelz, an den eine Gedenkplatte am Gebäude erinnert.

 

Im Stadtarchiv überliefert ist der Eid, den Wilhelm Nelz anlässlich der Übernahme der Apotheke am 31. März 1883 vor dem Magistrat leistete: „Ich, Wilhelm Nelz schwöre zu Gott dem Allmächtigen und Allwissenden, daß ich, nachdem ich als Apotheker in den königlichen Landen approbiert worden, Seiner Majestät von Preußen, meinem Allergnädigsten Herrn, ich unterthan, treu und gehorsam sein, und alle mir vermöge meines Berufes obliegenden Pflichten nach den darüber bestehenden oder noch ergehenden Verordnungen, auch sonst nach meinem besten Wissen und Gewissen, genau erfüllen will; so wahr mir Gott helfe.“ Vergab früher der Rat der Stadt das Apothekenprivileg, so fungierte der Magistrat der Stadt mit dem Bürgermeister an der Spitze nun stellvertretend für die staatlichen Organe, denen gegenüber der Apotheker verpflichtet wurde.

 

Wilhelm Nelz baute Ende der 1880er Jahre das Apothekenhaus neu. Dieses Gebäude, das sich in die Baulinien der Nachbarhäuser einfügt, überstand auch den Brand von 1915, der den gesamten Bereich zwischen Spiegelbrücke und Löwengassse zerstörte, dann zur Servatius-Kirche übersprang und auch diese stark beschädigte. Die Löwengasse fungierte hier als Brandschneise.

 

 

Nach 10 Jahre verkaufte Nelz die Apotheke an Hans Ganß aus Darmstadt, der das Haus mit dem seit 1901 und bis heute grundbuchlich damit verbundenen Apothekenprivileg nach weiteren 10 Jahren an Ernst Hilf aus Lorch am Rhein weiterverkaufte. Von diesem ging die Apotheke 1929 auf seinen Schwiegersohn Paul Wichmann über, der sie 1964 an seinen Sohn Heinrich weitergab. Damit lebte die frühere Tradition des Betreibens der Apotheke über mehrere Generationen im Besitz einer Familie wieder auf, die bereits mit der Pächtergeneration Diedrich/Neupert/Callenberg/Breithaupt von der Gründung bis 1833 (abgesehen von der Unterbrechung 1746-1751) und der sich anschließenden Zeit des Wenckebachschen Eigentums 1833-1870 typisch für die Führung der Löwen-Apotheke gewesen war. Seit 1995 ist Rüdiger Stetskamp der Löwen-Apotheker.